קהילה קונסטנץ

SYNAGOGENGEMEINDE KONSTANZ

Schottenstraße 73

Ausflug nach Ulm – Ausstellung im Offizier Klub

     Eine gut gelaunte Gruppe von der IKG-Konstanz Mitglieder, scheute nicht die Kälte an diesen Sonntag (02.02) und unternahm mit Anleitung von Felix Spektor einen Ausflug nach die Stadt Ulm.

     Hauptziel war die Ausstellung im Offizier Klub wo die Darstellung der Jüdischen Soldaten im 1. Weltkrieg präsentiert wird. Der Veranstalter ist das Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaft der Bundeswehr, in einer Zusammenarbeit mit dem Moses Mendelssohn Zentrum, Potsdam und dem Centrum Judaicum, Berlin, unter den Titel: Deutsche Jüdische Soldaten.

     Der Militär und Arzt Oberst, H. Stein hat die Gruppe empfangen und eine sehr detaillierte Einführung gemacht.

      Als er gefragt wurde ob er Jude sei, antwortete er – nein, aber ich möchte eine kleine Anekdote erzählen:

     Als ich vor Jahren nach New York, Nordamerika, für eine Zeit versetzt wurde, ging ich zu eine Immobilien Maklerfirma. Dort war eine gewisse Frau Dorfmann. Ich sagte ihr was ich brauchte. – Sind sie verheiratet? – fragte sie. – Ja, ich bin verheiratet, bin Arzt und habe 6 Kinder.

     So, sie empfahl mir ein Haus in einem guten Stadtviertel, wir zogen um. Wie es üblich ist gingen wir zu den Nachbarn um uns bekannt zu machen. Bei eines der Nachbarn, fragte das kleine Mädchen – Moom, who is he? (Wer ist er?) He is a german ortodox Jew. (Er ist ein deutscher Orthodoxer Jude). – sagte die Mutter.

     Der Name, der Beruf, sechs Kinder, alles führte dazu ein Jude zu sein.

 

     Welchen Zweck hat diese Veranstaltung? Zeigen wie Jüdische Junge Menschen sich als Deutsche fühlten, wie sehr ihn der Aufruf des König Friedrich Wilhelm III, im März 1813 anging und anregte. Napoleon drängte sich immer weiter vorwärts Die Preußen sollten kämpfen. Seine Worte klangen in den Herzen des Volkes. Und sie lauteten so:

     " Wer von euch edlen, großherzigen Jünglingen denkt und fühlt in diesen Augenblick nicht ebenso wie David?" (Dieser David ist unser David als er gegen Goliath kämpfte).

     "Wer hört ihn nicht mit Freuden, diesen ehrenvollen Ruf, für das Vaterland zu fechten und zu siegen, wem schlägt das Herz nicht hoch empor bei dem Gedanken, das Feld der Ehre zu betreten?"

     Diese schönen Wörter wurde in Berlin auf einer Flugschrift (Flyer) veröffentlich.

     Auch unsere Jüdischen Söhne wurden davon motiviert, sie waren ja Deutsche Bürger, die meisten schon in Deutschland geboren, ihre Eltern hatten zur Entwicklung und Fortschritt Deutschlands beigetragen durch ihre Arbeit, Kultur und Investitionen. Gab es da noch einen Zweifel dass sie Deutsche waren und ihr Vaterland verteidigen mussten? Nein, es gab kein Zweifel… aber leider nur für die Juden, wie sich später herausstellen würde.

     Sie reihten sich ein, sie kämpften in der Front. – " Jüdische Soldaten dienten seit den Anfängen der bürgerlichen Gleichstellung in den Armeen der deutschen Teilstaaten und der Armee des Kaiserreiches, sie kämpften im Feldzug Preußens und Österreichs gegen Dänemark in Jahre 1864, im Preußischen-Österreichischen Krieg von 1866 und im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71. Sie zeichneten sich aus, wurde befördert und ließen ihr Leben auf dem Schlachtfeld." (in Eisernes Kreuz und Davidstern – Die Geschichte Jüdische Soldaten in Deutschen Armeen. Michael Berger, Trafo-Verlag, Berlin, 2006).

     Sie glaubten im Ernst an einer Gleichstellung auch in der Armee. Nur, "In einem sogenannten christlichen Staat, waren jüdische Beamten als Vorgesetzte nicht erwünscht. Der Zugang zur Justiz und dem Schuldienst wurde ihnen verwehrt."

     Fast einhunderttausend Juden dienten während des I. Weltkrieges in Heer und Marine. 12.000 waren gleich zu Kriegsbeginn 1914 als Freiwillige zu den Fahnen geeilt. 77.000 kämpften an vorderster Front! 30.000 wurden, zum Teil, mit höchsten Auszeichnungen dekoriert und mehr als 20.000 befördert. Es gab zwar auch Offiziere, Militärbeamten, u.a. eine Anzahl von 3.000.

     12.000 Jüdische Soldaten verloren im Krieg ihr Leben. Trotz braver Einreihung der Juden, gab es immer wieder jene die es verleugnen wollten. Die Zählung der Jüdischen Soldaten an Front, die dazu dienen sollte um zu zeigen dass sie gleichmäßig kämpfen wurde bald "umgedreht".

     " (…) Die 1918 aus dem Krieg zurückgekehrten jüdischen Veteranen sahen sich weiter den Verleumdungen aus dem rechten politischen Lager ausgesetzt, sie hätten sich vor dem Einsatz an der Front gedrückt. Zu Abwehr dieser Angriffe wurde im Februar 1919 in Berlin ein jüdischer Soldatenbund gegründet, der sich 1920 zusammen mit anderen Ortsgruppen zum Reichsbund jüdischer Frontsoldaten (RjF) zusammenschloss."

     Die Ausstellung hat leider nicht das erwünschte Ergebnis erreicht, laut Oberst Stein, es haben zu wenig Schulen, trotz Einladung, die Veranstaltung besuch. Gerade diese den es am meisten interessieren sollte und beigebracht werden muss.

     Nach dieser Visite ging die Gruppe zu der Synagoge wo sie auch sehr gut empfangen wurde, und wo auch ein sehr schmackhaftes Mittagessen serviert wurde.

     Die neue Synagoge steht auf demselben Platz wo die erste zerstörte in Jahre 1938 stand, auf dem Weinhof 2. Sie ist in einen modernen Stil erbaut. Die Front, die auch als Fenster dient besteht aus angereihten Magen David, um bring natürliches Licht in der Synagoge hinter den Aaron Hakodesh. Es sind 75 Sitzplätze bei den Herren, und 45 bei der Frauengalerie. Und wurde im Jahre 2012 der Gemeinde geöffnet. Die Ulmer Gemeinde ist eine Württembergs Zweigstelle. Sie hat keinen eigenen Vorstand und reportiert sich an Stuttgart.

     Außerdem, einem kleinen Stadtrundgang zum Münster, der heute evangelisch ist, und wo auch eine Narrenmesse stand fand, an den Friedhof vorbei, gemischt mit dem christlichen, und immer mit der reichhaltigen erklären von Felix Spektor, spazierte die Gruppe zum Bahnhof, um den mit gemeinsame Zustimmung, 18:12 Uhr Zug nehmen und nach Konstanz zurück zu fahren.

 

       Shalom