קהילה קונסטנץ

SYNAGOGENGEMEINDE KONSTANZ

Schottenstraße 73

Wochenabschnitt

Bild: "STILL LIFE WITH THE OPEN TORAH "

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D'warim (02.08.2014)

Quelle und ©: Orthodoxe Rabbinerkonferenz Deutschland

Inhaltsangabe – Abschnitt für Abschnitt

1. Abschnitt (1:1 – 1:11) (1)

Eleh haD’warim ascher diber Moscheh el-kol-Jisroel be’ewer haJarden baMidbar … – Dies sind die Reden, die Moscheh an ganz Jisrael diesseits des Jordans in der Wüste … gerichtet hat…

Moscheh rekapituliert die wichtigsten Etappen der Geschichte des Volkes Jisrael vom Sinai bis zu den Ufern des Jordans. Diese Stationen, wie die des Goldenen Kalbes, der Rebellion des Korach, die Klagen wegen des Man (Manna) und die Diskussion über die „Sünden der Spione“, sind Teil von Moschehs Tadel und Warnung an das Volk. Moscheh berichtet auch von den Siegen über die Emori und Cheschbon, um dem Volk Vertrauen zu geben, da sie kurz davor sind, nach Erez Jisrael einzuziehen.

2. Abschnitt (1:12 – 1:21)

Moscheh spricht zum Volk, daß er an einem Punkt angekommen ist, an dem er zu ermüdet ist, das Volk alleine anzuführen und daß er (auf G’ttes Gebot hin) die Anführer der Stämme als Richter (2) nominiert hat. Die Richter werden aufgrund ihrer Weisheit ausgewählt. Es ist verboten, einen Richter aus den falschen Gründen (Reichtum, Charisma, Beziehungen etc.) auszuwählen. Sie müssen gerecht, unvoreingenommen und unparteiisch sein 3) und dürfen sich nicht davor fürchten, korrekte Urteile zu fällen.

Nochmals wird aufgeführt, daß der Hauptaugenmerk auf Erez Jisrael liegt und das Volk wird angespornt, sich nicht davor, was vor ihm liegt, zu fürchten.

3. Abschnitt (1:22 – 1:38)

Für die neue Generation, die zum Zeitpunkt des Geschehens noch nicht geboren war, wiederholt Moscheh die Episode über die Kundschafter (hebr. „Meraglim“). Diese waren nach Erez Jisrael gesandt worden, um über das Land und seine Bewohner zu berichten. Aber bis auf zwei Ausnahmen (Kalew und Jehoschua) kamen die Spione mit negativen Berichten zurück, die besagten, daß man das Land nicht erobern könne. Die Bnei Jisrael glaubten diesen Kundschaftern und nicht, was G’tt ihnen versprochen hat.

Wieder und wieder betont die Torah, daß die Kundschafter falsch berichtet hatten. Moscheh aber wiederholt, daß entgegen den Berichten der Kundschafter, das Land Jisrael der wahre Ort für die Bnei Jisrael ist.

Moscheh gesteht ein, daß er es war, der die Erlaubnis zum Aussenden der Kundschafter gegeben hat und erklärt, was aufgrund deren Berichte passiert war. Aber seine Argumente (und die von Kalew und Jehoschua) konnten das Volk nicht beruhigen. Daraufhin verfügte G’tt, daß keiner der erwachsenen Männer (außer Kalew und Jehoschua) nach Erez Jisrael einziehen wird. Und Moscheh fügt hinzu, daß auch er das Land nicht betreten darf (4) und das Volk fortan von Jehoschua geführt wird.

4. Abschnitt (1:39 – 2:1)

Als Moscheh der neuen Generationen berichtet, was passiert war, warnt er sie davor, die selben Fehler wie ihre Vorgängergeneration zu begehen. Und er erzählt ihnen auch von dem tragischen Ergebnis (der Attacke durch die Emoriter), als das Volk versuchte, entgegen G’ttes Wunsch in das Land zu ziehen.

5. Abschnitt (2:2 – 2:30)

Das Volk zieht gen Norden und wird durch Moscheh von G’tt davor gewarnt, die Nachkommen Esaw’s, die in diesem Gebiet wohnen, zu bekämpfen, da das Land ihnen als Erbe gegeben ist. Nur der Erwerb von Essen und Wasser für die Reise durch deren Gebiet ist ihnen erlaubt. Dies gilt auch für das Gebiet von Moaw, einem Nachkommen Lot’s.

Die Wanderung dauerte schon 38 Jahre, als G’tt dem Volk den friedlichen Durchzug durch die Gebiete von Amon und Moaw gestattet.

Als die Bnei Jisrael auf Ihrer Wanderung nach Sichon kommen, bieten sie dem Volk von Sichon Frieden an, was dieses aber ablehnt. So beginnt der Krieg mit Sichon.

6. Abschnitt (2:31 – 3:14)

Im sechsten Abschnitt fährt Moscheh fort, über den Krieg mit Sichon zu erzählen. G’tt half dem Volk, den Krieg zu gewinnen und das Land zu besetzen. Ähnlich verhält es sich beim Sieg über Og, dem König von Baschan – obwohl dessen Städte hohe und starke Mauern hatten.

Das eroberte Land auf der Ostseite des Jardens (Jordans) wird den Stämmen Re’uwen, Gad und der Hälfte des Stammes Menascheh versprochen.

7. Abschnitt (3:15 – 3:22) – Maftir (3:20 – 3:23)

In das versprochene Land dürfen diese Stämme aber erst nach erfolgreicher Eroberung und Besiedlung von Erez Jisrael ziehen. Jehoschua, der das Volk nach Erez Jisrael führen wird, erhält die Weisung, sich nicht vor den Völkern zu fürchten, durch deren Gebiete sie ziehen müssen, um in das Land Jisrael zu gelangen, denn G’tt wird ihnen genauso helfen, wie ER es bei Sichon und Og getan hat.

Anmerkungen

Das Buch “D’warim” wird wegen der Wiederholung von über 100 Mizwot aus den vorherigen vier Büchern auch “Mischneh Torah“ – „Die Wiederholung der Torah” genannt.

Rabbiner Samson Raphael Hirsch (20.06.1808 in Hamburg – 31.12.1888 in Frankfurt am Main) erklärt hierzu, daß 70 der 199 Mizwot, die im Buch Dwarim aufgeführt werden, neu sind. Die wiederholten Mizwot konzentrieren sich auf Bereiche, die von unmittelbarer Bedeutung sind, da sie die sieben Nationen (um die Bnei Jisrael herum) betreffen; so z.B. das Verbot des Götzendienstes. Obwohl diese Mizwah den Bnei Jisrael bereits bekannt ist, wird sie wiederholt, weil sie in Kürze den Einwohnern Kenaans, die Götzendiener waren, begegnen. Die Mizwot aber, deren Ausführung unabhängig davon sind, ob sich das Volk in der Wüste oder in Erez Jisrael befindet, werden nicht erneut aufgeführt.

  1. Am Schabbat beendet man den ersten Abschnitt einen Passuk früher (1:10), damit der zweite Abschnitt nicht mit dem Wort „Eichah“ beginnt, wie die Megillat Eichah („Klagelieder Jeremias“), die an Tischa beAw gelesen wird.
  2. Die Idee der Hierarchie der Richter bringt Jitro, der Schwiegervater Moschehs, dem Moscheh in der Paraschat Jitro nahe.
  3. Über den Satz 1:16 (“Verhöret eure Brüder und richtet nach Gerechtigkeit…”) lehrt uns die Gemara, daβ Richter nicht eine Seite zu einem Fall hören darf, ohne daβ die andere Seite anwesend ist.
  4. Moscheh darf nicht wegen der Sünde der Kundschafter nicht in das Land hinein, sondern weil er in der Wüste (siehe Paraschat Chukat) an den Stein geschlagen hat, anstatt zum Stein zu sprechen, damit Wasser fließt.

Haftarah: Jeschajahu 1:1 – 1:27

Diese Haftarah aus dem Prophetenbuch Jeschajahu wird stets vor Tischa be‘Aw gelesen, dem Gedenktag der zweimaligen Zerstörung des Tempels in Jeruschalajim.

Die Haftarot, die an den drei Schabbatot vor dem Fasttag gelesen werden, nennt man „die Haftarot des Vorwurfes“. Für den dritten Schabbat, D’warim, wurde das einleitende Kapitel aus Jeschajahu, die große Anklage gegen Jehudah, ausgewählt, um alle Generationen Jisraels vor den sittlichen und sozialen Verfehlungen zu warnen, die zum Untergang des jüdischen Staates geführt hatten.

Der größte Teil der Haftarah wird vielerorts im Ton Megillat Eichah gelesen, nur die letzte P’sukim in der normalen Haftarah-Melodie, weil sie das Versprechen auf das Ende des Exils und den Wiederaufbau Zions (Jeruschalajim) in Gerechtigkeit und Rechtschaffenheit enthalten.

Psalm 137 – Zeit der Tränen

Der Wochenabschnitt Dewarim wird immer am Schabbat vor dem Jahrestag der Zerstörung des Tempels zu Jerusalem (Tischa beAw) vorgelesen. Dass Tischa beAw in den nächsten Tagen zu begehen ist,  wird bei der Tora-Lesung subtil angedeutet: Ein Vers (Dewarim 1, 12)  wird in der Trauermelodie gelesen, in der man dann die Klagelieder am Trauertag rezitieren wird. Der Tora-Vers fängt mit dem hebräischen Wort „Echa“ (= wie) an, und das erste Wort der Klagelieder lautet ebenfalls „Echa“. Da Psalm 137 Auswirkungen der Tempelzerstörung schildert, liegt es auf der Hand, warum gerade dieses Kapitel dem Wochenabschnitt Dewarim zugeordnet worden ist.

Vielleicht hat nicht nur der Bezug zum Trauertag Tischa beAw die Wahl von Psalm 137 determiniert. Dem sorgfältigen Leser fällt ein gemeinsamer Punkt auf: In beiden Texten ist von Juden die Rede, die Tränen vergossen haben. Der erste Vers des Psalms lautet: “An den Flüssen Babels – dort saßen wir und weinten, da wir Zions gedachten”. Die ins babylonische Exil deportierten Juden haben dort geweint. Rabbi Ovadja Sforno verweist in seinem Kommentar zu diesem Vers auf eine Talmudstelle (Baba Metziah 59 a), in der es heisst: Die Pforten der Tränen wurden nach der Tempelzerstörung nicht zugemacht. Demnach sind Tränen wesentlich wirksamer als das übliche  Gebet.

Im Wochenabschnitt lesen wir: „Gott aber sagte zu mir: Sage ihnen, steiget nicht hinan und kämpfet nicht, denn Ich bin nicht in eurer Mitte, damit ihr nicht von euren Feinden geschlagen werdet. Ich sprach dies zu euch, ihr aber hörtet nicht, waret dem Ausspruche Gottes zuwider, erdreistetet euch und stiegt das Gebirge hinan. Da zog der Emorite, welcher auf diesem Gebirge wohnt, euch entgegen, und sie verfolgten euch, wie die Bienen tun und sie schlugen euch bis zur Zermalmung in Seir bis Chorma. Ihr kehrtet zurück und weintet vor Gott, Gott aber hörte nicht auf eure Stimme und neigte sein Ohr nicht euch zu“ (Dewarim 1, 42 – 45). Die Frage drängt sich auf: Warum blieben die Tränen hier wirkungslos? Rabbiner  Hertz erklärt:„Weil ihr Weinen nicht der Bekümmernis ihrer Sünde entsprang, sondern der Trauer über die Folgen dieser Sünde.“

Псалом 137 – Время слёз

Недельную  главу Дварим всегда  читают  в субботу накануне годовщины   разрушения  Иерусалимских Храмов. (Тиша бе Ав).

При чтении  этой главы деликатно подчеркивается, что вскоре наступит  день скорби: строфу   Дварим 1,12  произносят с траурной  мелодией,  аналогичной мелодии,  с которой в День траура читают «Песни скорби».  Строфа Торы начинается с  ивритского слова «Эха»  (как),  с этого – же слова начинаются «Песни скорби2.  Совершенно ясно, что псалом 137 приурочен к данной главе Торы, так  как   в нем говорится о последствиях разрушения Храмов.

Вероятно, что не только  связь с Днем 9го  Ава предопределила связь псалма  137   с главой Дварим.   Внимательный читатель  увидит точку соприкосновения:   в обоих текстах речь идет о проливающих слёзы евреях.   Первая строфа псалма 137 гласит:
«У рек Вавилона, там сидели  мы и плакали,  вспоминая Сион». Евреи плакали в Вавилонском  изгнании. Рабби Овадья  Сфорно указывает в своем комментарии к этой строфе на данное  место в Талмуде  (Баба  Мециа 59а):
«После разрушения Храма  ворота слёз не закрывались  Следовательно, слёзы значительно действеннее молитв».

В недельной главе  мы  читаем:
«Но  Господь сказал мне:  скажи им  «не всходите и  не сражайтесь,  потому что нет  Меня  среди вас,  дабы не были вы  поражены  пред врагами  вашими».   И я говорил вам, но вы не послушали и воспротивились повелению Господню, и дерзнули  взойти на гору. И выступили Эморийцы,  жившие  на горе той, против вас, и преследовали  вас, как делают пчёлы,  и поражали вас в Сэире до Хормы. И возвратились вы,  и плакали пред Господом.  Но  Господь не услышал голоса вашего, и не внял вам» (Дварим 1,42 – 45). Возникает вопрос: почему слёзы были здесь бессильны?  Раввин Герц поясняет: «Ибо их плач свидетельствует не о сожалении и раскаянии в совершённом грехе, а говорит о печали по поводу последствий этого греха».