קהילה קונסטנץ

SYNAGOGENGEMEINDE KONSTANZ

Schottenstraße 73

Das Judentum Heute - 1.Teil

Nach einer längeren Pause, die auch durch unsere Großen Feiertage, entstanden ist, möchte ich jetzt eine neue Serie beginnen.

Ich hatte Gelegenheit im letzten Monat Oktober vier Vorlesungen über Judentum in der VHS zu machen. Diese Vorlesungen werde ich hier nochmal bearbeiten, nur nicht in derselben reinfolge. Als Historikerin und in Psychologie und Seelensorge ausgebildete Wissenschaftlerin fällt es mir leicht ein Parallele zu den Geboten, Verboten und Vorschriften des Judentums und des allgemeinen Lebens und Daseins der Menschen, Juden und nicht Juden aufzustellen.

Warum halten wir Juden uns an die traditionellen Bräuche? Sind wir altmodisch, konservativ oder fürchten wir uns vor dem Neuen?

Was führt dazu, dass Rituale und Sitten die schon über 5.000 Jahre "alt" sind immer noch ein aktueller Wegweiser seien können?

Das Unwissen ist der größte Feind der Menschheit und Bevölkerungen. Das Unwissen führt zu Rassenhass, zur Gewalt und zur Feindlichkeit, aber auch zur Gleichgültigkeit gegenüber wichtiger Werte.

Über das Thema was Judentum und Jude sein bedeutet, möchte ich die Aussage von einem prominenten Staatsmann nochmal nennen:

Nahum Goldman in seinem Buch "Das Jüdische Paradox" erklärt es so: (…) Heute noch ist es fast unmöglich zu sagen ob Jude sein zu einem Volk gehören oder diese Religion folgen oder beides bedeutet". Weiter vorne ergänz er dass es schwer ist zu einen Ergebnis zu kommen. (…)" Judentum ist eine Religion, ein Glauben, ein Volk, eine Nation, eine Kulturelle Gemeinde, etc. Keine ist immerhin vollkommen korrekt oder vollständig. Das Jüdische Volk ist was Seltsames und eigenartiges. Nur im Hebräischen gibt es Ausdrücke um es genau zu erklären, aber keine Übersetzung trifft die reale Bedeutung zu."

Was wir von Kind her von unseren Eltern und Großeltern über Torah, unsere heiligen Schriften, gelehrt bekommen wird auf ein viel größeres Umgangsfeld geprägt. Wir erfahren was in den Zwischenzeilen steht, und dessen Bedeutungen. Man sagt dass, jüdische Eltern ihren Kindern das "Schwimmen" beibringen. Das bedeutet, wir werden aufgeklärt über das Leben, wie wir mit unseren Fragen und Befürchtungen uns auseinander setzen können wenn wir der Torah folgen. Das hilft uns auch in unserem beruflichen Leben. Nicht um sonst, dass Juden unzählige Nobel Preisträger sind, ausgezeichnete Geschäftsleiter, Spitzentechnologie entwickelt haben und noch weiter entwickeln. All das nennt sich "idish Kopf"

Aber ist das nur ein Vorteil der Juden? Nein, bestimmt nicht, nur den anderen Völkern wurden all diese Weisheiten entsagt. Die Massen wurden in das Unwissen gedrängt durch Angst und Drohungen mit falschen Dogmen. Die leider heute noch bestehen.

Judentum ist ein "way of life" ein Lebensstyl. Die Religion als Weg nicht als Flucht. Wir machen es weil wir wissen, dass es für uns gut ist, nicht weil wir was fürchten.

Kann man heute noch Shomer Shabat (einer den Shabat einhält) sein? Bestimmt. Und ich würde sagen es ist sogar nötig, mehr als zuvor, als in anderen Zeiten. In keinem Moment ist der Mensch so bedürftig mindesten einen Tag in der Woche zur Ruhe zu kommen, wie zur heutigen Zeit. Er ist ein Sklave der Kommunikation geworden. Er hängt 24 Stunden am Tag an seinem Handy, er starrt ständig auf seinen Computer, er nimmt so viele Information auf die sein Gehirn gar nicht verarbeiten kann und es nur belastet.

Aryel Kaplan, (englischer Rabbiner der sehr früh gestorben ist, mit 47 Jahre) sagt in seinem Buch "Die Ewigkeit des Shabats" dass … (…) viele Leute glauben dass wir Juden keine Freiheit haben weil wir zu viele Gebote und Vorschriften haben. Zitat

"Nur ich frage Sie wer ist ein Sklave der Zeit und Umgebung, einer der am Shabat gemütlich in der Synagoge sitz und lernt, und in der Folge mit Familie, Freunde und Bekannte ein festliches Mahl zu sich nimmt oder einer der 24 Stunden am Handy oder Computer sitzt und befürchtet dass er was verpassen könnte? Sie können es mir glauben, – sagt der Rabbi – bestimmt nicht der Jude."

Dazu kann ich auch einen Kommentar vom psychologischen Standpunkt aus geben, denn es ist schon wissenschaftlich bewiesen worden dass wer ständig am Handy, mit Stöpsel im Ohr, oder auf dem Computer glotzt, ein potenzialer Kandidat für Alzheimer ist, denn die Gehirnzellen werden überfordert, was zu Demenz führt. Auch ein bekannter Physiker, Prof. Dr. Gerd Binnig, Nobel Preis im Jahre 1986, sagte in einem Interview unter anderem, folgendes: (…) Ich glaube, das kann sich jetzt etwas komisch anhören und überraschen, aber der Mensch sollte weniger wissen und langsamer denken. Der Mensch sollte anfangen zu träumen. Sich nicht zu viel von der täglichen Routine fesseln lassen, er muss "Lücken" frei lassen, für sich selber. Und damit neue Ideen ans Tageslicht kommen können und damit das gespeicherte Kenntnis "aufblühen" kann sind unbedingt Ruhe Phasen nötig. Wer kreativ arbeiten will muss abschalten können. *

Auch der deutsche Chemiker Kekulé vom 19. Jahrhundert entdeckte durch einen Traum die Lösung für seine Forschung über die Struktur des Moleküls von Benzol. Er sah im Traum eine Schlange die ihren eigenen Schwanz biss. (Ein altes Symbol aus den III Jahrhundert vor unsere Zeit, das in griechischen Manuskripte gefunden wurde. So ergab es sich das ein geschlossener Zirkel die Struktur für Kohle bedeutet.

Könnte man vermuten dass das Wort Träumen uns nicht richtig erklärt wurde? Dass Träume keine Schäume sind, wie ein altes Sprichwort uns sagt?

Denn, wenn wir in den Schriften sehen, kommen wir oft auf Aussagen über Träume indem G'tt uns belehrt. Im Nummern 12, 6 lesen wir: "Ich der Herr, werde mich in einer Vision erkennbar machen oder werde im Traum euch belehren". In Jobs Buch im Vers 33, 15-16 lesen wir: …. "Er wird uns durch Träume im tiefen Schlaf unsere Ohren öffnen und belehren."

Aber dazu muss gesagt werden, dass wenn man von G'tt entfernt ist die Träume vielleicht wenig Bedeutung habe. Denn wer bis spät Krimifilme im Fernseher sieht, hat bestimmt nur Halbträume.

Das ist auch der Grund das wir Juden mindestens drei Mal am Tag das Shemá sagen, auch vor dem Schlafen gehen, damit wird das Unterbewusstsein positiv geprägt.

Unsere Gebete sind der Faden der uns zu G'tt führt, und dieser Kontakt muss täglich erneuet hergestellt werden. Auch die persönlichen Gebete sind wichtig. In denen wir direkt mit G'tt sprechen, mit unseren eigenen Worten.

Yossef träumte auch über seine Zukunft die richtig zutraf, er interpretierte auch die Träume des Pharaos.

Die Menschheit hat sich leider entfernt von so vielen was ihr gut tun könnte, weil es ihr nicht richtig erklärt worden ist. Judentum ist auch sehr stark mit Disziplin verbunden.

Judentum beginnt mit G'tt und endet mit G'tt. Das heißt, dass wir, die sich an die traditionellen Bräuche halten, eine andere Ansicht über die Vorschriften haben. Für uns gelten sie als Schutz genauso wir die Straßenregeln für einen Autofahrer gelten.

Und das eine Beziehung zu G'tt nicht überholt ist, beweist eine Demo in Luzern von 500 Studentinnen u. Studenten die sich geäußert haben gegen ein Gesetzt, dass das Schulbudget kürzen möchte und das Fach Ethik und Religion abschaffen will!!! Das sind Jugendliche die wissen was fürs Leben wichtig ist.

Shalom

* In der Zeitschrift "Deutschland" von Oktober/November 2004