קהילה קונסטנץ

SYNAGOGENGEMEINDE KONSTANZ

Schottenstraße 73

Mosaik

Shalom,
ich bin Chaya Petersen.

Historikerin und Therapeutin mit weiter Ausbildung in Seelensorge.
Wir werden uns ab heute jeder Woche treffen, Sie können von mir Chroniken,
Kurzgeschichten und Historische Daten über Judentum lesen.


Juden in der Welt – Brasilien – 1. Teil

         Unsere Reise geht weiter …

         Die Einwanderung der Juden in Brasilien begann wahrscheinlich schon viel früher als zur Zeit der Naziverfolgung. Im Ganzen kann man von vier wichtigen Immigrationen sprechen. Die meisten aus Osteuropa und Deutschland. Die ersten Juden kommen zwischen den Jahren 1898 und 1914 und diese wurden vom Jewish Colonization Association unterstützt, (von Baron Hirsch gegründet für diesen Zweck). Die zweite große Auswanderung erfolgte in den Jahren 1914 als der erste Weltkrieg ausbrach und 1933 mit Hitlers Aufstieg. Dann zwischen 1933 und 1945 während des Holocaust. Später zwischen 1945 und 1957 erfolgte noch mal eine nennenswerte Anzahl von Juden die den Holocaust überlebten und Ungaren die von der "Samt Revolution" in 1956 flüchteten. Es handelte sich um Ashkenazys. Viele kamen auch auf eigene Kosten, arbeiteten bis sie Geld genug hatten um ihre Familie und Angehörige nachkommen zu lassen. Die erste jüdische Kolonie wurde im Jahre 1900 gegründet.

         Aber auch Sephardische Juden kamen nach Brasilien, wie weiter vorne zu lesen ist.

         Die brasilianische Regierung brauchte Arbeitskräfte fürs Land, es sollte bewohnt und bepflanzt werden. So kamen die ersten Einwanderer, unterstütz von dem Geld des Baron Maurice de Hirsch, zwar ein Deutscher, aber er lebte in Paris und galt zu der Zeit als einer der reichsten Männer der Welt. Er nahm sich das Leid der Juden an und spendete Millionen.

         Diese Juden wurden in den Süden Brasiliens geschickt, dort bekamen sie Land, Werkzeug und Geld für die erste Zeit. Es war aber ein "Darlehn" den sie in 10 bis 20 Jahre zurückzahlen mussten. Es waren die ersten jüdischen Kolonien, und ihre Bewohner wurden Kolonisten genannt. Im Jahre 1926 wurden noch zwei Kolonien gegründet. Sie sprachen weiter das iidishe und blieben auch ihren Glauben treu.

         Verschiedene Orte die von Juden besetzt wurden im Süden, Rio Grande do Sul, lagen nahe der Grenze mit Säo Paulo (z.B. Sorocaba). Mit der Zeit verließen diese Juden die Landwirtschaft, erlernten einen Beruf wie Schneider, Schreiner oder sie verkauften Waren von Haus zu Haus. Sie genossen ihre Freiheit, fühlten sich als Brasilianer. Ihre Kinder träumten von einem besseren Leben, studieren können um freie Berufe aus zu üben.

         Nochmal etwas zurück in der Zeit. Warum unsere Vorfahren Zuflucht in den verschiedensten Ländern suchten ist ja jedem bekannt. Auch nach Argentinien wanderten sie aus. Argentinien kann seine derzeitige große Entwicklung den Juden verdanken. In Brasilien ist es nicht anders gewesen. Wenn man Gelegenheit hat in den Büchern von brasilianischen Schriftstellern und Historikern zu lesen, kann man erstaunt feststellen, dass die "offizielle" brasilianische Geschichte nicht immer den Tatsachen und der Realität entspricht.

         Davon abgesehen, beteiligen sich die Jüdischen Gemeinden von heute genauso oder mehr als zuvor an der Entwicklung, sei es die Wirtschaftliche, Wissenschaftliche, Wohltatunternehmerische, Kulturelle oder in der Erziehungsbranche.

         Aber die brasilianische Regierung war nicht immer tolerant mit den Juden, Gerade zur "schlimmsten" Zeit, 1930-1940, stand das Land unter der Regierung von Getúlio Vargas der große Sympathie für Hitler hatte, und Dutra. Auch von Dutra kann man nicht behaupten dass er den Juden entgegen gekommen wäre. Die brasilianischen Diplomaten wie Labienno Salgado do Santos (in Rumänien tätig) und Jorge Latour, (in Warschau und Rom tätig) sorgten schon dafür, dass die diffamatorischen Berichte, die nach Brasilien kamen, die Juden zu einem unerwünschten, gefährlichen Wandervolk darstellten, dass sich nicht an normalen Bräuchen anpassen könnte zu schildern. Der Hass dieser beiden, wahrscheinlich nicht die einzigen, war grenzenlos den Juden gegenüber.

         So machte die brasilianische Regierung ein Doppelspiel im dem sie keine Verantwortung übernahm den Flüchtlingen zu helfen und zu unterstützen. Eine Scheinpolitik mit heimlicher antisemitischer Anordnung.

         Trotzdem, schafften es tausende, ins Land zu kommen und hier ihre zweite Heimat einzurichten.

         Im Jahre 1930 kam Victor Northmann (1841-1905), der sich in Säo Paulo niederlies und der der Pionier in der Gründung von den ersten Straßenbahnen und der Telefongesellschaft war. Es gibt heute noch die Straße die nach seinem Namen genannt wird, Alameda Northmann.

         1933 wurde eine Kommission gegründet die CARIA – Comissäo de Assitências aos Refugiados da Alemanha. (Unterstützungs-Kommission für Deutsche Flüchtlinge). Diese sorgte dafür, dass die neu Angekommenen Wohnungen und Arbeit bekamen und portugiesisch lernten um sich in der Stadt einzuleben.

         Eine wichtigste Person war der Rabbiner Fritz Pinkus (105-1999) aus Heidelberg. Sein Bruder Kurt lebte schon in Säo Paulo und forderte ihn auf das religiöse Amt zu übernehmen. Mit ihm entstand die heute noch bestehende CIP – Congregacäo Israelita Paulista. (Israelitische Kongregation). Diese hat sich in einer sehr großen Gemeinde entwickelt, sehr aktiv mit Studienprogrammen. Ist zwar liberal und reformiert aber die G'ttesdienste werden in der traditionalen Liturgie abgehalten. Zu einem Shabbat kann man bis zu 800 Personen begrüßen. Und zu den großen Festen muss eine Gymnasium gemietet werden, um alle unter zu bringen, denn es beteiligen sich durchschnittlich bis zu 4.000 Juden.

         Anfangs waren die meisten Juden abstammend von Ashkenazys, Sephardische waren noch wenige. Sie kannten sich auch nicht und verkehrten nicht miteinander. Der Grund war, dass einer vom anderen keine Kenntnisse hatte. Mit der Zeit kamen sie sich näher, schlossen Geschäfte miteinander, dazu kam das Bedürfnis nach kosher Essen, nach einem Friedhof u.a.

         Als 1952 Edmond Safra (1932-1999) nach Brasilien kommt und sein Vater Jacob E.Safra (1891-1963) sich in Säo Paulo nieder lässt, folgen mehrere Syrier-Libanesische Familien das Beispiel. Diese Safras gehören zu den Gründern des Banco Safra S/A und Banque Safdié S/A. Es war auch Jacob Elie Safra zu verdanken, dass er im Jahre 1959 zusammen mit dem Rabi Ytzhak Dayan (1878-1964) die Sephardische "Paulistanische" Kongregation gründete und ihre eigene Synagoge, Ohel Yaacov, bekannter nach dem Namen Synagoge der Befreiung, erbauten. Nach seinem Tod wurde sie Beit Yaacov benennt.

         Später kamen auch die Ägyptischen Juden, Opfer des Nasser-Regimes nach Säo Paulo. Die Syrier-Libanesische Gemeinde wurde größer die Synagoge, langsam klein, so wurde in 1991 der Bau einer neuen Synagoge, im Stadtviertel Higienópolis, wo die meisten sephardischen Juden lebten, mit Unterstützung von Joseph Safra, ein prachtvolles Gebäude begonnen.

         Beit Yaacov bedeutet nicht nur eine religiöse Gemeinde, es begreift auch eine Schule, über die ich im nächsten Artikel berichten werde, ein Wohltatunternehmen, das Institut Morashá, das für die Kultur, Erhaltung und Erinnerung des Judentums sorgt.

         Interessant ist immer wieder zu beobachten dass der Ehrgeiz, der Mut, die Bestimmtheit, einer der stärksten Eigenschaften der Juden ist. Die Geschichte der Juden in der ganzen Welt, so auch in Brasilien, schreibt sich nach dieser Stimmung. Es kamen die ersten, und als sie sahen was in diesem Land geboten wurde, kamen die Verwandten, die Freunde. In keinem Moment wurden diesen Einwanderern von irgendeiner brasilianischen Behörde geholfen, es gab keine staatliche Unterstützung. Es waren private Leute, die an dieses Land glaubten und halfen es aufzubauen. Ein anderer wichtiger Name ist der Familie Klabin, die ein großes Papierunternehmen gründete. Auch Leon Feffer, war eine wichtige Persönlichkeit, auch er gründete eine große Papier Fabrik, beide bestehen bis heute.

 

      Shalom

Chag samear Shavuot!

 

Quelle: Dieser Artikel wurde Bearbeitet und übersetzt nach Artikeln der Zeitschriften Morashá n° 68, 69, 70, 73 – Jahre 2010 u. 2011.