קהילה קונסטנץ

SYNAGOGENGEMEINDE KONSTANZ

Schottenstraße 73

Mosaik

Shalom,
ich bin Chaya Petersen.

Historikerin und Therapeutin mit weiter Ausbildung in Seelensorge.
Wir werden uns ab heute jeder Woche treffen, Sie können von mir Chroniken,
Kurzgeschichten und Historische Daten über Judentum lesen.


Chanukka, Chanukka...

 

       Chanukka, Chanukka, das Fest der Lichter ist gekommen …

 

                        Ich erinnere mich, als wir Kinder waren, dass meine Geschwister und ich, mit Spannung und Freude auf Chanukka warteten. Für uns Kinder war Sukot (Hüttenfest) und Chanukka die schönsten und lustigsten Feste. Denn zu Sukot durften wir unsere eigene Suká (Hütte) basteln und Mame brachte uns Latkes die wir schnell wegputzten. Wir hörten auch die Geschichte unserer Vorfahren die lange in Hütten wohnen mussten.

                         Chanukka war noch viel aufregender, nicht nur wegen den acht Tage in denen wir die Lichter/Kerzen anzünden durften, weil auch ein Krieg mitspielte von einer Gruppe tapfere Juden die für die Bewahrung unsere Traditionen kämpften.

                         Wir wohnten in einer kleinen Stadt, es gab dort wenige Juden außer uns, auch keine Gemeinde, weder eine Synagoge und trotzdem lebten und erlebten wir das Judentum.

                         Chanukka … was war unsere erste Aufgabe? Wir durften die alte Chanukkiá (Kerzenhalter mit 9 Armen) putzen und polieren. Sie war aus schwerem Silber und stammte von unseren Ur-Großeltern. Die Kerzen dafür brachte der Vater aus einer Großstadt. Sie wurden sorgfältig aufbewahrt. Für uns Kinder, nur zu wissen dass im oberen Fach des Kleiderschrankes meiner Mutter eine Schachtel mit Kerzen für Chanukka stand, regte schon unsere Fantasie an.

                         Je näher der Tag herankam desto lebhafter wurden wir. – Mame wenn ist Chanukka? – Wann zünden wir die erste Kerze an? – wir überfielen sie mit unseren Kinderfragen. Denn es war jedes Jahr zu einem anderen Datum, weil wir dem Mondkalender folgen. Die Monate waren schon beständiger, von Ende November bis anfangs Dezember. Nur der präzise Tag änderte sich, und das war für uns oft unbegreiflich.

                         Das Haus wurde geputzt, die Fenster gereinigt, denn das Kerzenlicht musste so klar wie möglich nach draußen scheinen.

                         Der große Tag war gekommen, wir warteten mit Spannung aufs Dunkelwerden, damit wir die erste Kerze anzünden durften. Aber erst musste der Segen gesprochen werden. Mame sprach die Brachá vor, wir wiederholten. Am ersten Tag wurden drei Brachot gesagt. Die erste lautete: Baruch Atá Adonai Elohênu Melech haolam, asher kideshánu bemitsvotáv vetsivánu lehadlic ner Chanuká.

                         Was bedeutet: Gesegnet seist Du, G'tt, unsere G'tt, König des Universums, der uns durch Seine Gebote geheiligt und uns befohlen hat, das Chanukkalicht zu zünden.

                         Dann die Bracha: (…) der Wunder für unsere Vorväter getan hat, in jenen Tagen und in unserer Zeit.

                         Und bei der ersten Kerze noch: (…) der uns Leben und Bestand gegeben und uns diese Zeit hat erreichen lassen.

                         Es war immer wieder aufregend wenn erst der Shamash (das Spende Licht) für alle anderen Kerzen gezündet wurde. Unsere Augen glänzten wie Sterne vom Kerzenlicht, unsere Bäckchen waren gerötet vor Aufregung.

                         Dann kam das Dreidelspiel, wie es in Russland u. Polen genannt wird, oder Trendel (Deutch), oder Sevivon (Französisch), während das Spiel wurde ausgelost wer am nächsten Tag die zweite Kerze zünden durfte, und so ging es jeden Abend. Wir aßen Pfannkuchen, oder Berliner. Sie wurden mit einer Marmelade aus einer hiesigen Frucht gefüllt, die sehr gut schmeckte. Mame war sehr verspielt wenn es darauf ankam uns eine Freude zu bereiten. Sie ließ zwei, drei Pfannkuchen ohne Füllung, wer sie aß musste ein Pfand bezahlen, z.B. den Tisch abräumen, etwas im Garten machen, ein Lied singen.

                         Als Abschluss des Abends hörten wir die Geschichte die die Urkunde für Chanukka war. Oft lagen wir schon im Bett, aber unsere Ohren und Augen waren noch hell wach. Wir kannte die Geschichte und konnte sie schon fast selber erzählen aber wir hörten sie immer wieder gerne.

                         Die Griechen wollten uns durch Gewalt von unseren Bräuchen abbringen und ihre Kultur und ihren Glauben einführen. Das geschah im IV Jahrhundert, zwischen den Jahren 175 u. 164 der vor der Allgemeinen Zeit. Makabeus (Makabi in Hebräisch bedeutet Hammer) – Sohn des Priesters Mattitiahu (Gabe G'ttes in Hebräischen) und seine Brüder waren die tapferen Krieger die das Judentum verteidigt haben. Trotzdem es Shabbat war, griffen sie an Waffen um unsere Traditionen zu beschützen. Sie waren Sieger, nur der Tempel, sein Inneres, profaniert, und zerstört, das ewige Licht brannte nicht mehr. Sie räumten und putzen, aber es gab nicht genug Öl für den Menorah, es würde bestimmt nur für einen Tag reichen. Sie beeilten sich um neues heiliges Öl zu bereiten. Und siehe da, das ist das Wunder von Chanukka, das "bizzele" Öl brannte 8 Tage lang, bis das andere fertig war.

                         Mame erwähnte auch immer dass dieser Sieg auch unser Recht auf unseren Glauben bedeutete, das Recht der Mindervölker wenn es sich um Gerechtigkeit handelt und unseren Glauben an einen einzigen G'tt.

Chag Sameach Chanukka!