קהילה קונסטנץ

SYNAGOGENGEMEINDE KONSTANZ

Schottenstraße 73

Jom Kippur

Quellangabe: ORD Deutschland

Kol Nidrei und Maariw Erew Jom Kippur - 9Tischri 5774 (13 September 2013,Freitag)-19:30

Jom Kippur; Iskor ca. 11:45 Uhr - 10 Tischri 5774 (14 September 2013,Samstag)-9:00

Sigismundstraße 19

Die Zehn Bußtage erreichen am Jom Kippur ihren Höhepunkt. Jom Kippur wird am 10. Tischri begangen, er ist der heiligste Tag des jüdischen Kalenders.

Man bezieht sich auf ihn auch als "Schabbat Schabbaton". "Und es sei euch zur ewigen Satzung: im siebenten Monat, am zehnten des Monats sollt ihr euch kasteien und keinerlei Werk verrichten, der Eingeborene und der Fremde, der unter euch weile. Denn an diesem Tag wird er euch sühnen, daß ihr rein werdet; von allen euern Sünden sollt ihr rein werden vor dem Ewigen. Eine Schabbatfeier sei er euch und ihr sollt euch kasteien, eine ewige Satzung."(Wajikra 16, 29-31). "Ihr sollt euch kasteien" bezieht sich auf das Fasten am Jom Kippur.

Der Vorabend des Jom Kippur wird als eine Art halber Feiertag betrachtet, eine Mischung aus Freude und Feierlichkeit. Der Tag ist durch großzügiges Geben gekennzeichnet.

Geld der Kaparot-Zeremonie – eine Erinnerung an die Opfer im Tempel – wird für wohltätige Zwecke gespendet. Die Teilnehmer des Nachmittagsgottesdienstes haben sich schon in ihre Tallitot gehüllt. Jetzt ist es höchste Zeit, von denen, die wir absichtlich oder unabsichtlich beleidigt haben, Vergebung zu erbitten.

Das letzte Mahl vor dem Fasten ist festlich. Am Ende segnen die Eltern ihre Kinder.Für die Verstorbenen wird eine Gedenkkerze entzündet.In der Synagoge tragen die Männer den Kittel, ein langes weißes Gewand, zusammen mit dem Tallit symbolisiert es Reinheit.

Kol Nidre ("Alle Gelübde") wird am Beginn des Abendgottesdienstes dreimal hintereinander gesungen. Es ist eine formale Lösung aller unerfüllten Gelübde – vor allem von jenen, die in großer emotioneller Anspannung getan wurden. Diese Absolution bezieht sich nur auf solche Gelübde und Versprechen, die jemand freiwillig auf sich genommen hat und die seine Beziehung zum eigenen Gewissen und zu G-tt betreffen.

Weder ein Gelübde noch ein Versprechen, daß einer anderen Person, einer Gemeinde oder einem Gericht gegenüber geleistet wurde, sind inkludiert. Bitten um Verzeihung der Sünden machen einen Großteil der Liturgie des Jom Kippur aus.
Im "Widui", dem Sündenbekenntnis, werden Sünden, die ein Einzelner begangen haben könnte, aufgezählt. Dieses Gebet wird gemeinsam für ganz Israel gesprochen. Im Morgengottesdienst wird an die verstorbenen Verwandten erinnert. Das Neilah-Gebet schliesst den G-ttesdienst zu Jom Kippur ab. Es wird mit großer Feierlichkeit und Macht gesprochen. Der Toraschrein bleibt während dieses Gottesdienstes offen, und der Tag wird mit einem letzten, langen Schofarton beendet.

Der Jom Kippur wird am 10. Tag des Monats Tischri begangen, wenn das Schicksal jedes einzelnen Menschen für das kommende Jahr im "Buch des Lebens besiegelt" wird. Nur Sünden zwischen Mensch und G-tt können am Jom Kippur vergeben werden, und am Ende des Tages kann der Betende in der Synagoge nur hoffen, daß er mit der Richtigstellung seiner Fehler zurande kam und daß seine Gebete Gott erreicht haben. So wurde der Versöhnungstag eingesetzt, der einzige jüdische Feiertag neben Rosh HaShana ohne historischen oder landwirtschaftlichen Hintergrund. Alle anderen Feiertage haben eine nationale Bedeutung, die sogar nichtreligiöse Juden anspricht. Der Jom Kippur dagegen handelt exklusiv von der Beziehung des Menschen mit G-tt und mit seinen Mitmenschen und bringt viele Bitten vor den Ewigen.

In den Tagen, die dem Jom Kippur vorausgehen, ist man aufgefordert, um Verzeihung zu bitten und jene, gegen die man während des Jahres falsch gehandelt hat, zu versöhnen. Im Hebräischen gibt es etwa zwanzig verschiedene Wörter, die "Sünde" bedeuten, jedes hat ein eigenes Konzept und besitzt nur begrenzte Anwendbarkeit. Der allgemeine rabbinische Terminus für Sünde ist "awerah", abgeleitet von der Wurzel "awar" – "vorbeigehen", was als Verlust der g-ttlichen Gunst interpretiert wird. Juden glauben, daß Sünde durch den bösen Trieb ("Jetzer HaRa") verursacht wird, eine Kraft, die uns dazu treibt, den Instinkten ohne Rücksicht auf die Konsequenzen nachzugeben.

Wahlfreiheit ist eine der Grundlagen des Judentums. Bereits in der ersten Geschichte in der Tanakh bekommen Adam und Eva die Wahlmöglichkeit, G-ttes Gebot anzunehmen oder abzulehnen. Maimonides schrieb (Jad, Teschuwa 5): "Jeder Mensch hat die Möglichkeit, ein Gerechter zu werden wie Moses, unser Lehrer, oder böse wie Jeroboam, gescheit oder dumm, freundlich oder grausam, geizig oder großzügig …"Dies widerspricht einem volkstümlichen jiddischen Sprichwort, das alles im Leben als "beschert" oder vorbestimmt betrachtet. Das Judentum lehrt uns, daß wir fähig sind, unser Leben zu leiten, den Pfad der Rechtschaffenheit zu wählen oder sein Gegenteil, die Sünde.

Zu den Hohen Feiertagen sprechen wir ein Gebet, das scheinbar dem widerspricht:Zu Rosh HaShana wird unser Schicksal eingeschrieben und am Jom Kippur wird es besiegelt … wer wird leben und wer wird sterben, wer wird das volle Maß seiner Tage leben und wer wird sterben vor der Zeit … Einige Rabbinen sagen, dies sei eher eine Meditiation als ein Gebet, um uns diese am meisten inspirierende Ermahnung des Jom Kippur verstehen zu helfen: Aber Buße, Gebet und Wohltätigkeit wenden das strenge Urteil ab! Mögen unsere Taten auch Strafe verdienen, wir können immer den Weg der Reue wählen – bis zu unserer letzten Minute auf der Erde! In Israel hat der Jom Kippur eine zusätzliche spirituelle Dimension. Vor allem in Jerusalem sieht man keine Autos auf der Straße. Auch der nicht religiöse Israeli respektiert die Heiligkeit dieses Tages. Wenn sich die Nacht auf diese lange Fasten- und Gebetsperiode herabsenkt, füllen sich die Synagogen. Viele gehen zur Westmauer.

Der letzte Schofarton zerreisst die Dunkelheit und die jüdische Seele. Wir erinnern uns an die Worte Jesajas an die Exilierten (Jesaja 27,13): An jenem Tage wird man in die große Posaune stoßen, dann werden kommen, die im Land Assur sich verloren und die nach Ägypten versprengt sind, ud sie werden den Ewigen anbeten auf dem heiligen Berg in Jerusalem. In Israel sind an diesem Tag alle Restaurants und Cafés geschlossen (ausgenommen arabische). Sämtliches öffentliche Leben steht still. Alle Grenzübergänge (auch der Flughafen) sind geschlossen. Obwohl es kein behördliches Fahrverbot gibt, sind die Straßen fast vollständig autofrei, nur Krankenwagen verkehren. Dafür sind viele Radfahrer und Inline-Skater unterwegs. Es gilt als unhöflich, an diesem Tag in der Öffentlichkeit zu essen oder Musik zu hören. Es gibt weder Radio- noch Fernsehprogramme. Dass Israel an diesem Tag quasi gelähmt und extrem verwundbar war, nutzten Syrien und Ägypten im Oktober 1973 aus und begannen den Jom-Kippur-Krieg. Aufgrund dieser Erfahrung wird die militärische Einsatzfähigkeit an Jom Kippur voll aufrechterhalten; es gibt "stilles" Radio und Fernsehen, die kein Programm ausstrahlen, sondern nur im Notfall Mitteilungen senden.

Quellangabe:Wikipedia

Jom Kippur (hebräisch ‏יוֹם כִּפּוּר‎, auch Jom ha-Kippurim יוֹם הכִּפּוּרִים, wörtlich übersetzt "Tag der Sühne"), auf Deutsch zumeist Versöhnungstag, ist der höchste jüdische Feiertag.
Er wird im Herbst im September oder Oktober am 10. Tischri, im siebten Monat des traditionellen bzw. im ersten Monat des bürgerlichen jüdischen Kalenders, als Fasttag begangen. Zusammen mit dem zehn Tage davor stattfindenden zweitägigen Neujahrsfest Rosch Haschana bildet er die Hohen Feiertage des Judentums und den Höhepunkt und Abschluss der zehn Tage der Reue und Umkehr.

Jom Kippur wird von einer Mehrheit der Juden, auch nicht religiösen, in mehr oder weniger strikter Form eingehalten. Der in der Tanakh Jom ha-Kippurim und Schabbat Schabbaton genannte Versöhnungstag geht auf die Zeit nach dem Babylonischen Exil zurück, trotz Parallelen zu hethitischen Ritualen, die auf ein höheres Alter hinweisen, und war bereits in der früheren Zeit des zweiten Tempels der bedeutendste Feiertag der Israeliten.
Die umfangreichste Darstellung des Feiertages findet sich im 3. Buch Mose: "Am zehnten Tage des siebenten Monats sollt ihr fasten und keine Arbeit tun, weder ein Einheimischer noch ein Fremdling unter euch. Denn an diesem Tage geschieht eure Entsühnung, dass ihr gereinigt werdet; von allen euren Sünden werdet ihr gereinigt vor dem Herrn." Die zur Zeit des Zweiten Tempels am Versöhnungstag praktizierten Tempelzeremonien könnten sich aus einer bereits früher durchgeführten Zeremonie zur Reinigung des Tempels entwickelt haben, die dann nach dem Babylonischen Exil ihre in der Tanakh beschriebene Form erhielten und sich zum jährlich am zehnten Tag des siebten Monats gefeierten Versöhnungstag entwickelten.

Hinweise darauf, dass der Feiertag erst in der nachexilischen Zeit entstanden ist, sind das Fehlen in den Aufzählungen der Feiertage im 2. und 5. Buch Mose und in den Büchern Esra und Nehemia, die Bezeichnung Aarons als Hohepriester, die nachexilisch ist, sowie die Kleidervorschrift für den Hohepriester, "leinene Beinkleider" zu tragen. Hosen waren eine persische Erfindung, die den Israeliten vor dem 6. Jahrhundert v. Chr. kaum bekannt gewesen sein dürfte. Im Jerusalemer Tempel wurden an diesem Tag besondere Opfer dargebracht, es war der einzige Tag, an dem der Hohepriester – allein und streng abgeschirmt – das Allerheiligste im Tempel betreten durfte, um stellvertretend für das Volk die Vergebung der Sünden zu empfangen. Dort besprengte er die Bundeslade mit dem Blut von zwei Opfertieren. Ebenso wurde über zwei Böcken das Los geworfen. Der eine wurde geopfert zur Reinigung des Tempels, der andere lebend als Sündenbock zu Asasel in die Wüste gejagt, nachdem ihm der Hohepriester die Sünden des Volkes auferlegt hatte.

Asasel ist ein seltenes hebräisches Nebenwort, das "Entlassung" oder "gänzliche Entfernung" bedeutet. Es ist ein alter Ausdruck für die völlige Beseitigung von Sünde und Schuld der Gemeinschaft, die durch Fortsendung des Bockes in die Wildnis symbolisiert wurde. Zur Erklärung der Bedeutung dieses Wortes sind verschiedene Theorien aufgestellt worden.
Im Talmud wird Asasel mit "steiles Gebirge" übersetzt und auf den Felsen in der Wüste bezogen, von dem in späterer Zeit das Tier herabgestürzt wurde. Schon frühzeitig wurde jedoch das Wort Asasel personifiziert, ebenso wie die hebräischen Worte für Unterwelt (Scheol) und Zerstörung (Abbadon). Laut dem apokryphen Buch Henoch ist Asasel oder Asalsel der vornehmste unter den gefallenen Engeln, die die Menschenkinder die Sünde lehrten.

Gemäß dieser Interpretation scheint die Idee der Zeremonie darin zu liegen, die Sünden an den bösen Geist zurückzusenden, dessen Einfluss sie ihr Entstehen verdankten. Der Platz, zu dem der Bock geschickt wird, die "Wildnis" außerhalb des bewohnten Gebiets ist (und nicht eine lebensfeindliche Wüste), und dass Asasel weder ein Orts- noch ein Personenname ist. Nach ihrer Meinung wurde der "Bock der Entfernung" einfach in die Freiheit "entlassen". Auch nach der Zerstörung des Jerusalemer Tempels im Jüdischen Krieg (70) wurde der Versöhnungstag beibehalten. "Auch ohne dargebrachte Opfer bewirkt der Tag an sich Versöhnung" (Midrasch Sifra, Emor, XIV). Nach der jüdischen Lehre ist der Tag nutzlos, solange er nicht von Reue begleitet ist. Das reuevolle Eingeständnis von Sünden war eine Bedingung zur Sühne. Gemäß talmudischer Überlieferung öffnet G-tt am ersten Tag des Jahres drei Bücher: eines für die ganz Schlechten, ein zweites für die ganz Frommen, das dritte für die Durchschnittsmenschen.

Das Schicksal der ganz Schlechten und der ganz Frommen wird sogleich entschieden; die Entscheidung über die Durchschnittsmenschen wird jedoch bis Jom Kippur aufgehoben, an dem das Urteil für alle gefällt wird. Im Gebet Unetaneh tokef, ,heißt es: "Am Neujahrstag werden sie eingeschrieben und am Versöhnungstag besiegelt, wie viele dahinscheiden sollen und wie viele geboren werden, wer leben und wer sterben soll, wer zu seiner Zeit und wer vor seiner Zeit, wer durch Feuer und wer durch Wasser, wer durch Schwert und wer durch Hunger, wer durch Sturm und wer durch Seuche, wer Ruhe haben wird und wer Unruhe, wer Rast findet und wer umherirrt, wer frei von Sorgen und wer voll Schmerzen, wer hoch und wer niedrig, wer reich und wer arm sein soll. Doch Umkehr, Gebet und Wohltun wenden das böse Verhängnis ab.

"Gemäß Maimonides" hängt alles davon ab, ob die Verdienste eines Menschen die von ihm begangenen Fehler überwiegen". Deshalb sind zahlreiche gute Taten vor dem Urteil am Versöhnungstag angebracht. Wer von G-tt als wertvoll erachtet wird, wird ins Buch des Lebens eingeschrieben, und so wird im Gebet gesagt: "Schreibe uns ins Buch des Lebens ein." Auch begrüßt man sich mit den Worten: "Mögest du (im Buch des Lebens) für ein glückliches Jahr eingeschrieben werden."

Der ernste Charakter, der diesen Tag prägt, hat sich bis heute erhalten. Von wenigen Ausnahmen abgesehen dauert der G-ttesdienst in den jüdischen Gemeinden den ganzen Tag.Das Abendgebet beginnt mit dem Gebet "Kol Nidre", das vor Sonnenuntergang gelesen wird. Im Zentrum der Liturgie steht das Sündenbekenntnis, das in der jüdischen Tradition im Unterschied zur Beichte in christlichen Kirchen stets in der kollektiven Wir-Form abgelegt wird und die Bitten um Vergebung, die hebräisch Selichot genannt werden. "Denn wir sind nicht frechen Angesichtes und hartnäckig, vor dir zu sagen, wir seien Gerechte und hätten nicht gesündigt, in Wahrheit haben wir gesündigt."

Die traditionellen Melodien und Klagegesänge drücken gleichermaßen die Unsicherheit des einzelnen Menschen angesichts eines ungewissen Schicksals aus wie auch die kollektive Erinnerung an vergangene Größe. Am Versöhnungstag suchen Juden die ausschließliche Beschäftigung mit geistigen Dingen. In der Haftara des Morgengottesdienstes wird ein Abschnitt aus dem Buch Jesaja vorgelesen, in dem der tanakhische Prophet die Bedeutung des echten Fastens erläutert. "Das ist ein Fasten, wie ich es liebe: die Fesseln des Unrechts zu lösen, die Stricke der Unterdrückung zu lösen, die Versklavten freizulassen, jedes Joch zu zerbrechen. Wenn du einen Nackten siehst, bekleide ihn, und dem, der deines Fleisches ist, entziehe dich nicht. Dann wird wie die Morgenröte dein Licht anbrechen und deine Heilung rasch aufsprießen, deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen und die Herrlichkeit des Ewigen wird dich aufnehmen."

Eine weitere Besonderheit des Versöhnungstages ist das Gebet Neïlah, worin der Abschluss des Tages thematisiert wird. Der endgültige Abschluss von Jom Kippur wird mit dem Schofar bekanntgegeben.