קהילה קונסטנץ

SYNAGOGENGEMEINDE KONSTANZ

Schottenstraße 73

Bar Mitzwa oder Bar Mizwa

Bar Mitzwa oder Bar Mizwa (von aramäisch בַּר ‚Sohn‘ und hebräisch מִצְוָה ‚Gebot‘), bezeichnet im Judentum die religiöse Mündigkeit. Knaben erreichen sie im Alter von dreizehn Jahren. Bar Mitzwa bezeichnet sowohl den Status als auch den Tag und die Feier, an dem die Religionsmündigkeit eintritt. Grundlage ist die rechtliche Regelung gemäß dem jüdischen Recht über den Zeitpunkt, ab dem ein Junge für die Beachtung und Einhaltung der jüdischen Gebote (Mitzwot, Einzahl Mitzwa) verantwortlich ist. Dieser Übergangsritus geht mit der physiologischen Pubertät einher.

Der Bar Mitzwa darf bzw. muss von da an alle religiösen Aufgaben erfüllen, etwa in der Synagoge aus der Tora vorlesen. Dazu gehört auch das Anlegen von Tefillin, d. h. Lederkapseln, die Tora-Stellen auf Pergament enthalten und mit Lederriemen an Hand und Kopf befestigt werden. Die hebräischen Begriffsbestandteile können im Deutschen auf unterschiedliche Weise transkribiert werden. Mitzwa kann auch als Mitzva(h) oder Mizwa(h) geschrieben werden, Bat auch als Bas. Die männliche Mehrzahlform lautet B'nei Mitzwa (Söhne der Pflicht). Ursprünglich handelte es sich um einen erreichten, an die körperliche Reife gebundenen Rechtszustand des jungen Knaben. 

 

Dieser junge Mensch hieß daher in früheren Quellen ausschließlich Gadol (Erwachsener) oder Bar Onuschin (Sohn der Strafe = Jemand, der für sein Tun verantwortlich ist). Den Ausdruck Bar-Mizwa (Sohn der Pflicht) im heute gebräuchlichen Sinn findet man erstmals bei Mordechai ben Hillel, einem Rabbiner und liturgischen Dichter, der 1298 in Nürnberg während des Rintfleisch-Pogroms ermordet wurde. Vom 14. Jahrhundert an setzte sich die Bar-Mizwa-Feier durch. Es hat sich die Tradition entwickelt, dass die Jugendlichen auf diesen Tag hin lernen, den hebräischen (nicht vokalisierten) Tora-Abschnitt und die Haftara, die Lesung aus den Prophetenbüchern vorzutragen. Dieser „erste Tora-Aufruf“, in der Regel Maftir, der Abschnitt dessen, der auch die Haftara liest, wird feierlich begangen und der Junge wird an diesem Festtag in die Gemeinde aufgenommen, in der Regel am Sabbat nach dem 13. Geburtstag der männlichen Jugendlichen, und erstmals voll in den Gottesdienst mit einbezogen.