קהילה קונסטנץ

SYNAGOGENGEMEINDE KONSTANZ

Schottenstraße 73

Friedhof

     Der jüdische Friedhof in Konstanz wurde 1870 eröffnet. Mit der bürgerlichen Gleichstellung der Juden 1862 in Baden ließen sich immer mehr Juden in Konstanz nieder.

     1933, vor dem Machtantritt der Nazis zählte Konstanz 433 Juden bei einer
Einwohnerzahl von 33.000.

     Der jüdische Friedhof zeichnet sich dadurch aus, dass die Gräber auf "Ewigkeit" angelegt sind, d.h. nie abgeräumt werden dürfen. Daher gibt es hier wunderschöne, kulturgeschichtlich interessante Grabmale.

     Wie durch ein Wunder wurde der Friedhof im Dritten Reich nicht geschändet. Hier sind unter anderem der Schriftsteller Jacob Picard und der Chronist der Juden Erich Bloch begraben. Kaum bekannt ist, dass es ein Grabmal des weltberühmten jüdischen Bildhauers Benno Elkan gibt.

Israelitischer Friedhof

     Der Friedhof bleibt zum Schabbat freitags von 15:00 Uhr bis sonntags 9:00 Uhr ebenso wie an den jüdischen Feiertagen geschlossen. Männer tragen beim Besuch des Friedhofs eine Kopfbedeckung, Frauen ein Kopftuch.

Friedhof Konstanz

Drei Jahre nach der Gründung der jüdischen Gemeinde Konstanz im Jahre 1866 wurde der lsraelitische Friedhof in Konstanz eingerichtet. Voran ging das Gleichstellungsgesetz für Juden im Jahre 1862. Der jüdische Friedhof Konstanz ist Teil des Hauptfriedhofes, an dessen Ostseite er grenzt und besteht aus einem alten Teil, der heute unter Denkmalschutz steht, einem neuen Teil (nach 1945) sowie der Erweiterung von 1981.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde der jüdische Friedhof enteignet und 1946 unzerstört in jüdische Verwaltung zurückgegeben. mit Ausnahme eines Areals, auf dem sich heute ein Urnenfeld befindet. Der Friedhof ist im Eigentum der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden mit Sitz in Karlsruhe und wird zur Zeit von der Israelitischen Kultusgemeinde Konstanz verwaltet.

     Laut der Halacha. dem jüdischen      Religionsgesetz, sind Gräber Eigentum derer, die dort bestattet sind. Jüdische Gräber sind für die Ewigkeit und dürfen nicht aufgelöst werden. So lautet eine der hebräischen Bezeichnungen für Friedhof Bet ha-Olam (Haus der Ewigkeit); weitere Bezeichnungen sind Bet ha-Chajim (Haus des Lebens). Bet ha-Kewarot (Haus der Gräber) oder in Jiddisch: Git Ort (Guter Ort).

     Nach dem Tode eines Juden folgt die rituelle Waschung (Tahara) durch Mitglieder der Chewra Kadischa. der "heiligen Bruderschaft", zu der es auch für die Frauen eine entsprechende Gemeinschaft gibt. Der Tote wird in ein schlichtes Totenhemd aus Leinen gekleidet. Dieses Totenhemd schenkt die Braut dem Bräutigam zur Hochzeit. und er trägt es bereits jährlich an Rosch haSchana, dem jüdischen Neujahr, und am Versöhnungstag (Jom Kippur). Eine Einäscherung ist nach jüdischem Gesetz nicht zulässig. Die Bestattung soll innerhalb 24 Stunden nach dem Eintritt des Todes erfolgen. Am Schabbat (Ruhetag am Ende der Woche) sowie am Jom Kippur ist es nicht erlaubt einen Toten zu Grabe zu tragen.

      Die jüdische Beisetzung ist betont schlicht. Der Sarg besteht aus einfachem. unbearbeitetem Holz (meist Fichte) und darf nicht durch Nägel zusammengehalten werden (Metall als Symbol für Waffen würde der friedlichen Ruhe des Verstorbenen nicht entsprechen). Blumen oder sonstiger Grabschmuck sind, wie auch auf den Gräbern. nicht üblich. Stattdessen legt man beim Friedhofsbesuch Steine zur Erinnerung auf die Grabstätte.Grabstein Friedhof

     Der Beerdigung folgt für die engsten Verwandten ein Jahr der Trauer in verschiedenen Abschnitten. In der ersten Trauerwoche von sieben (hebräisch: schiwa) Tagen "sitzt man Schiwa" auf einem niedrigen Stuhl. wird von Verwandten und Bekannten besucht, getröstet und mit Essen versorgt. Es folgt die Zeit der Schloschim (30)-Tage nach dem Begräbnis. in der sich Männer zum Zeichen der Trauer nicht rasieren.

     Die 1. Jahrzeit für einen Verstorbenen wird am Jahrestag seiner Bestattung begangen und dann auch der Grabstein gesetzt. Die weiteren Jahrzeiten richten sich nach dem Sterbetag (alle Daten jeweils nach dem jüdischen Kalender). Am Begräbnis und an den Tagen der Trauerzeit ist es Pflicht des ältesten Sohnes oder des nächsten Verwandten. das Kaddisch zu sagen eines der zentralen Gebete des Judentums. das jedoch kein Trauergebet. sondern ein einziger Lobpreis Gottes ist!

Thomas Uhrmann Leiter der Erich-Bloch-Bibliothek lsraelitische Kultusgemeinde Konstanz

 

Jüdische Pogromnacht in Deutschland

Bild: Fritjof Schultz-Friese

 

Felix Spektor von der Israelischen Kultusgemeinde Konstanz liest auf dem jüdischen Friedhof:

"Wir rasseln nicht laut mit Rügen, kein Zorn ist uns anzumerken, wenn wir die Schurken begrüßen, verbeugen uns vor den Schergen – Stets schicklich und immer arglos, kein Aufspüren, kein Gejage! Doch denkt dran: ein Zug fährt los! Du hörst nicht? Es fährt ein Zug los! Fährt heute und alle Tage." Vor 72 Jahren brannte, in der Nacht vom 9. auf 10. November in Konstanz die Synagoge, an- gesteckt von einer SS-Truppe. Keine Feuerwehr die den Brand löschte. Tage nach der Pogromnacht sprengte die SS-Verfügungsgruppe aus Radolfzell das Gotteshaus. 108 Juden wurden in das Vor- zimmer des Todes nach Gurs in die franzö- sischen Pyrenäen deportiert. Viele von Ihnen kamen in den Vernichtungslagern Auschwitz und Sobibor um. Für sie brannten am Gedenktag auf dem Konstanzer Friedhof, auf dem Stein der einstigen Synagoge, die Kerzen. Unter diesem sind sieben heilige Torarollen vom ersten Brand 1. November 1936 begraben. Hierzu Felix Spektor: "Sie sind für uns gestorben wie Menschen".

 

R e q u e m …

Ihr, Menschen… vergesst es nicht!

Vergesst es nicht, wie die Vernichtung des Volks Israels von statten ging …

Vergesst nicht ihren Kampf und Ihren Tod… und lernt daraus.

Soll diese Erinnerung euer Leben würzen, in euer Blut und Fleisch übergehen.

Beißt die Zähne zusammen und denkt nach…

Beim Essen und beim Trinken denkt nach! Ein Lied lauschend, denkt nach!
Beim Sonnenschein denkt nach! Beim Einbruch der Dunkelheit denkt nach!

Solltet Ihr an Eurem Haus bauen,
so legt eine Wand – Stein für Stein – wieder auseinander, damit
Ihr dem zerstörten Haus Israels gedenkt und die Zerstörung Euch vor Augen führt.

Solltet Ihr Eure Felder beackern so legt die Steine zu einem Hügel zusammen,
um eine Gedenkstätte für die zu haben, welche nicht nach Sitten und Bräuchen
Ihre jüdischen Ahnen begraben werden konnten.

Solltet Ihr Eure Kinder unter der Chupá stellen, so gedenkt den jüdischen Kindern
welche es versagt wurde.

Selbst der Kadish wird ihnen niemand vorlesen! Sollen sie Eins mit uns werden …
die Lebenden und die Toten!

… des Lebens beraubte und am Leben gebliebene
… die Verschollene und die Geretteten …

Hört her, dann werdet Ihr hören … wie derer Stimme zu jeden von uns ruft.

Ihretwegen, die nie wieder unter uns sein werden, beschwöre ich Euch!

Denket nach, ihr Menschen, kommet nicht zu Ruhe, vergesst nicht!

09.10.2013 – Andacht an die Kristallnacht