קהילה קונסטנץ

SYNAGOGENGEMEINDE KONSTANZ

Schottenstraße 73

Ausflug nach Elsass , im Bas-Rhin (Unter Rhein).

24.08.2014

Chaya Petersen

      Einer der berühmtesten Elsässer,der Künstler Tomi Ungerer, hat einmal gesagt: "Das Elsass ist wie die Toilette Europas; immer ist es besetzt!" Viermal wechselte die Nationalität der Elsässer, mal waren sie deutsch, mal französisch. Mit über 200 verzeichneten Orten verfügt das Elsaß über ein außergewöhnlich dicht angesiedeltes jüdisches Kulturerbe. Es ist ein Beweis des elsässischen multikulturellen Reichtums und nimmt in der Geschichte des Judentums in Frankreich einen wesentlichen Platz ein.Unsere erste Besichtigung war das Musée Judéo-Alsacien de Bouxwiller in Bouxwiller, auf der Grand Rue. Eine untätige Synagoge die als Museum umgebaut wurde.

      Zur damaligen Zeit erlaubten die Herren von Hanau-Lichtenberg, dass sich Juden in Bouxwiller ansässig machen konnten. Sie bauten sich eine Synagoge, dieses musste so um das 18. Jahrhundert gewesen sein, denn wie es in den Unterlagen steht, verfügte die jüdische Gemeinde bis zur Französischen Revolution, dort über eine Yeshivá (Talmudschule), ein Beit Din (jüdisches Gericht) und eine Micve (rituelles Bad). Die Toten wurden auf dem Friedhof bei Ettendorf beigesetzt. Bouxwiller war auch Sitz eines Rabbinates. Die Synagoge die heute noch steht wurde im Jahre 1842 an Stelle der ersten erbaut. Während den II. Weltkrieges diente dieses heilige Gebäude einer Kartonagenfabrik und wurde umgebaut. Nach 1945 richteten die überlebenden Juden wieder einen Gebetsraum ein wo dann die G’ttesdienste stattfanden, aber nur bis 1956.Es wurden nämlich immer weniger Juden die in Bouxwiller lebten, 1984 waren es nur noch 3 Familien, sie konnten auch nicht mehr für die Spesen der Synagoge aufkommen. Die Synagoge sollte dann abgerissen werden um dort ein Parkplatz zu bauen.

 

      Dank einem Städtischen Architekten Gilbert Weil, ist das nicht passiert. Er setzte sich ein, gründete die Association des Amis du Musée Judéo-Alsacien de Bouxwiller mit dem Ziel aus der Synagoge ein Museum einzurichten. Es dauerte fast 15 Jahre, aber dann am 28 Juni 1998 wurde das Musée eingeweiht.Es ist das einzige in seiner Art, in der Gegend, denn es erzählt über die Geschichte der Bräuche und das Leben der Juden im Elsass. Es sind neun Räume in denen auch die Jüdische Verfolgung von der Katholischen Kirche geschildert wird, der Raum in dem die Feste dargestellt sind ist in Nischen aufgeteilt und in Elsass-iidish beschriftet.

      Im Eingang, rechts, steht eine große Skulptur, eine Waage. Auf einem Teller die zwei Bräter mit den Geboten, auf den anderen, eine Kugel, der Globus. Es soll unsere Verantwortung dem Judentum gegenüber ins Gewissen rufen. Dann, links, ein Satz in Elsass-iidish – Leben und leben lassen.Ein Stück Mauer mit der Inschrift in Hebräisch wurde neu nachgemeißelt vom Künstler Laurent Quilici. Auf diesem Stück sind das „Zain“ und das „Lamed“, für „Zekher Lemikdash“ zu lesen. Archäologen bestätigten seine Authentizität es ist die älteste Inschrift in Hebräisch des Elsass. Im Gegensatz zu den meisten Bauten in denen der Name des Eigentümers am Haus stand, beweist eine Deutung auf das Jahr 1615, höchstwahrscheinlich dass es zu eine Synagogen Einweihung gehört. Dieses Stück wurde wieder restauriert und über den Eingang angebracht.

      Im ersten Stock, Schaufenster. Ein Paar Shochetmesser. Shochet ist der jüdische Schlachter, er wird dafür ausgebildet um das Tier schmerzlos zu töten, mit einem einzigen Schnitt. Dieser Beruf ist vererb, er wird vom Vater zum Sohn weiter gelehrt. Diese Messer, wurden von einem Pfarrer, zur Zeit der Verfolgung, gefunden und aufgehoben, da die Familie nicht zurück kam stiftete er sie dem Museum.

      Dann einen interessanten Brauch. Nach der Brit Mila (Beschneidung am 8. Lebenstag) wurde das Tuch, auf dem das Kind lag, bestickt oder bemalt, der Künstler gab seine Kreativität freien Lauf. Er zeichnete, schrieb, es war „le mappe“ die Karte. Auf der ausgestellten „mappe“ war ein Storch, eine Wiege, die französische und die Israelische Flagge gemalt und hebräische Schriften zu sehen. Die Worte bedeuteten oft sein ewiges lernen, die Verbundenheit und treue der Torah gegenüber, der Wunsch dass er unter der Chupá stehen wird, u.a. Segen die üblich sind zur Brit Mila und Bar Mitzvá. Das älteste und bekannte „mappe“ stamm aus dem Jahre 1530. Das Datum und der Name der auf der „mappe“ stehen beweisen seine Herkunft und sind ein wertvoller Gegenstand/Beweis für den Stammbaum/Genealogie. Die erwähnte „mappe“ wurde gestiftet um die Torah einzuhüllen. Was geschah mit dieser „mappe“? Wenn der Bub 3 Jahre alt war, nahm er dieses Tuch an sich um ging sieben Mal um die Bima (der Tisch auf dem das Sefer Torah geöffnet und gelesen wird) und machte eine Beracha (einen Segen), um die Worte auf der „mappe“ zu bestätigen Zur selben Zeit werden auch dem Jungen das erste Mal die Haare geschnitten.

      Ein anderer interessanter Brauch: la haulegrash – deutsch-jüdisch – haulkreischen, um den Bürgername zu geben. Am 3. Shabat nach der Geburt einer Tochter, selten eines Jungen, gehen die Kinder des Dorfes (Stedele) zu dem Haus vom Neugeborenen, stellen sich um die Wiege indem diese angehoben wird und sie fragen drei Mal haulegrash! Wie sol’s bobele hoise? Dann wird der Name gesagt und die Kinder bekommen Süßlichkeiten.

      Musée Lalique wurde 2011 im Dorf Wingen-sur-Moder gegründet und eröffnet, eine Initiative der Gebietskörperschaften.Am selben Ort wo René Lalique 1921 seine Künstlerische Begabung weiter ins laufen brachte, indem er eine Manufaktur errichtete. Aber er fing schon im Jahre 1882 in Paris mit seiner Schmuck Kollektion an. 1886 wurde er Weltbekannt durch seine Werke der Art Déco und Jugendstiel. Seine Werke bestehen aus Glas und Kristall in den er Farbe reinzaubert, Skulpturen vom Menschen und Tieren schöpft, Schmuck für Hals und Kopf.Fast unbeschreiblich. Emile Gallé (1846-1904) der auch berühmt wurde durch seine bunten Wasen und als botanischer Poet galt, nannte René Lalique den ‚Erfinder des modernen Schmucks‘. Lalique war bestimmt auch ein Natur Beobachter den in seine Sammlungen befinden sich Libellen, Käfer, Schmetterlinge aller Art, kunstvoll verarbeitet mit Steinen, Gold und Glas.Aber nicht nur Schmuck, Parfum Flacons, auch Geschirr, mit Kunstvolle Ornamente können einen Tisch verzaubern. Von kleinsten bis zum größten Stück, 650 Exponate sind zu besichtigen.René Lalique ist 1860 geboren und 1945 gestorben, er wird als Künstler, Zeichner, Juwelier, Innovator, Glasmacher, Unternehmer und Visionär bezeichnet. Sein Sohn Marc Lalique und Enkelin führen das Unternehmen weiter.

      Dann war noch Zeit um die Burgruine Haut-Barr zu besichtigen.Sie stammen aus dem 16. Jahrhundert und wurde auf drei enormen Felsen gebaut. Die Aussicht von dort oben ist beeindruckend. Die Burg wird auch das „Auge des Elsass“ genannt und wenn das Wetter klar ist, kann man bis Straßburg schauen und den Domgipfel sehen. Auch Saverne liegt einen zu Füßen.

      Dann fuhren wir wieder Heim. Ein wunderschöner Tag. Man könnte singen. „So ein Tag, so wunderschön wie heute …. So ein Tag, … der dürfte nie vergehen“.